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Charities und Teenager

Der deutsche Spendenmarkt steht vor großen Veränderungen. Heute ist er noch geprägt von den Gewohnheiten der Nachkriegsgeneration. Sie spendet, weil sie selber noch Not erfahren hat. Sie stammt noch aus prägenden Milieus mit festen Wertvorstellungen. Diese Menschen spenden „ihren“ Organisationen, mit denen sie aufgewachsen sind teilweise über mehrere Jahrzehnte hinweg. Sie reagieren vorwiegend auf Post und haben kaum Interesse, selber zu agieren.
 
In 15 Jahren wird diese Generation nicht mehr prägend sein. Sie wird am Ende durch eine junge Generation mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen ersetzt. Diese hat nie selber Not erfahren und hat kaum Bindung zu bestehenden Vereinen und Institutionen. Die jüngere Generation will nicht nur online angesprochen werden, sondern auch aktiv partizipieren. Sie fordert härter Leistungen und Ergebnisse ein – und lässt sich weniger binden.
 
Bislang blieben gemeinnützige Organisationen von diesem Wandel weitgehend verschont, da ihre Hauptzielgruppe Senioren sind. Den dramatischen Veränderungsprozess, den andere Wirtschaftsbereiche in den letzten 15 Jahren durchgemacht haben, steht den gemeinnützigen Organisationen daher noch im Wesentlichen bevor – und sie haben deutlich weniger Zeit dafür. Sie haben die Wahl, sich in schrumpfende Offline-Spenderreservate zurückzuziehen oder sich den Bedürfnissen einer neuen Generation zu stellen.

Die jüngere Generation könnte sonst neue Organisationen hervorbringen, die schnell zu den größten und prägenden Akteuren werden und die etablierten Hilfswerke in wenigen Jahren ersetzen könnten. Es könnte daher interessant sein, schon heute die Meinung der jüngeren Generation kennenzulernen.

Ronja Birk ist 15 Jahre alt und hat im Januar 2010 ein dreiwöchiges Schülerpraktikum bei der Fundgiver Social Marketing in Hamburg absolviert. Sie gewährt uns einen Einblick in ihre Welt: wie sie sich engagiert, wie sie zu den etablierten gemeinnützigen Hilfswerken steht und was sie sich von ihnen wünscht.

 

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Wie Teenager sich heute engagieren - und wie nicht.

Ein Bericht von Ronja Birk (15 Jahre)

Hart UND ungerecht

Sehr oft fühle ich mich als Teenager mit den Krisen und Sorgen dieser Welt überfordert. Fast täglich höre oder sehe ich Berichte und Bilder von Kriegen oder Attentaten. Von Kindern, die verhungern oder an Aids sterben, ohne ihr zehntes Lebensjahr erreicht zu haben. Von Gletschern, die einst so prächtig und gigantisch waren und nun immer weiter schmelzen und zerfallen. Von Urwäldern, die immer weiter abgeholzt werden. Und und und.  Egal, ob in der Schule, auf der Straße, in den Medien oder zu Hause, überall wird man mit den Problemen konfrontiert. Dabei schien die Welt jahrelang, abgesehen von kleinen Sorgen, für mich in Ordnung. Doch je älter ich werde, desto mehr erfahre ich, wie es um die „heile Welt“ wirklich steht.

Ich verstehe nicht wie es sein kann, dass die Einen sich überlegen, wo sie sich die nächste Botoxspritze setzen lassen und die Anderen an einem aufgeschlagenen Knie sterben, weil die Tetanusimpfung zu teuer ist; oder an Cholera, weil sie aus Pfützen trinken müssen. Ich frage mich, warum das so sein muss. Doch auf diese Fragen eine Antwort zu finden ist schwer. Eigentlich will ich mich nicht dauernd mit diesen unlösbaren Problemen beschäftigen, andere Sachen interessieren mich schließlich auch, aber diesen Problemen gelingt es trotzdem immer wieder, sich in mein Bewusstsein zu schleichen.


Ich will etwas tun, nicht spenden!

Ich würde gerne helfen, aber wie mache ich das am besten? Natürlich könnte ich Geld spenden. Aber ich möchte mein Taschengeld nicht unbedingt für Spenden ausgeben und ich denke, dass es anderen Jugendlichen genauso geht. Das haben sie mir in Interviews, die ich während meines Praktikums durchgeführt habe, erzählt. (Filmvideos der Interviews siehe www.fundgiver.de.) Für uns ist es auch nicht besonders angesagt, sich an Hilfsorganisationen zu wenden und zu sagen, ich möchte helfen.

Deshalb sollten die gemeinnützigen Organisationen geschickter versuchen, Jugendliche zum Beispiel in den Umwelt-, Klima- und Tierschutz einzubeziehen. Ein konkreter Vorschlag wäre etwa, mehr Werbung in Internetportalen wie Facebook, StudiVZ oder SchülerVZ zu machen, dort zu Aktionen aufzufordern und sich speziell an die Jugendlichen zu wenden. Außerdem könnte man auch die WM als Chance zum Spenden nutzen. Für jedes gekaufte Panini- Sammelalbum oder jede Packung 1 Cent an eine gemeinnützige Organisation zu spenden wäre eine Idee, die auf jeden Fall Erfolg hätte!

Auch wenn ich Geld hätte oder für etwas sammeln würde, gäbe ich es wahrscheinlich keiner Organisation, sondern lieber an eine Adresse, an die ich das Geld direkt spenden könnte. So wäre ich mir sicher, dass das Geld wirklich für Medikamente, Lebensmittel oder andere nötigen Hilfsgüter ausgegeben wird. Aber man muss auch nicht unbedingt spenden, um sich sozial zu engagieren.


Jeder sollte etwas tun!

Jeder könnte klein anfangen zu helfen, zum Beispiel seinen Müll in den Mülleimer werfen und nicht auf die Straße. Aber da das alle machen, macht man es eben auch. Und ich denke genau da liegt das Problem. Würden alle Leute ihren Abfall korrekt entsorgen, fiele es auf, wenn ein einziger seinen Abfall auf die Straße würfe. Es wäre „uncool“ seinen Müll auf die Straße zu werfen. Da aber genau das Gegenteil der Fall ist, ist es sozusagen „un-cool“ seinen Müll richtig zu entsorgen. Es sind ganz kleine Dinge, bei denen wir anfangen könnten, etwas zu verändern. Jeder für sich. Aber einer zuerst. Als Vorbild. Wäre es Gang und Gebe den Schwächeren zu helfen, dann wären Dinge, wie älteren Menschen beim Einkauf oder einfach über die Straße zu helfen, ebenfalls selbstverständlich.


Wie ich mich engagiere!

Man kann auch durch kleine Aktionen und Taten helfen! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Teenager, die mit der Kirche im Kontakt stehen, sich eher dazu bereit erklären, bei einer Freiwilligenaktion mitzumachen. Ein paar Freunde und ich beispielsweise haben uns nach dem Konfirmandenunterricht dazu entschieden, eine Ausbildung als „Trainee“ zu machen. So dürfen wir später Jugendgruppen als Aufsichtsperson begleiten und selber eigene Projekte für Kinder anbieten.
Außerdem gehe ich einmal in der Woche mit dem Hund einer älteren Dame spazieren. Das klingt vielleicht nicht großartig, ist doch aber ein kleiner Schritt, anderen zu helfen bzw. etwas Gutes zu tun.


Helfen muss Spaß machen!

Ich finde zum Beispiel Konzerte, bei denen verschiedene Bands und Musiker für einen guten Zweck auftreten, total toll. Oder Jugendliche, die viel mit der Kirche zusammenarbeiten und etwas Selbständiges in Sachen Sozialarbeit machen. Eine Freundin von mir macht zum Beispiel im Moment über die Caritas ein freiwilliges soziales Jahr in Uganda. Dort kümmert sie sich um Aidswaisen und lernt nebenbei das Alltagsleben Afrikas kennen. Diese Aktion finde ich wirklich wunderbar und ich könnte mir vorstellen ebenfalls mal bei einem solchen Projekt mitzumachen. Denn direkt zu helfen ist immer etwas anderes, als einfach nur Geld zu spenden. Ich denke, es ist auch eine wichtige Lebenserfahrung, die man in so einem Jahr sammelt.


Gemeinnützige Einrichtungen sehen nicht weg.

Glücklicherweise gibt es die Kirche oder andere soziale Einrichtungen, die benachteiligte Kinder, oft ehrenamtlich oder für sehr wenig Geld, mal von der Straße wegholen und ihnen die spannende Welt zeigen, sie umsonst mit ins Planetarium, Theater, Museum oder ins Schwimmbad nehmen. Es ist wichtig sich um genau diese Kinder zu kümmern, die oft am Nachmittag auf der Straße herumlungern und nicht wissen, was sie mit dem Tag anfangen sollen. Denn kümmert sich niemand um sie, führt diese Langeweile sehr oft zu Dummheiten, sie ärgern die Kleineren, klauen, werden gewalttätig und sind später nur schwer auszuhalten.


Von Nichts kommt Nichts!

Wir Menschen zerstören diesen schönen, vielfältigen Planeten. Aber vielleicht wird die Natur vorher auch die Menschheit zerstören. Ich brauche mich nicht unbedingt ins Kino setzen und mir Katastrophenfilme wie „The Day After Tomorrow“ oder die neuere Version „2012“ ansehen. Ich kann mir nur mal Bilder von der Antarktis, den zerstörten Urwäldern oder der „dritten Welt“ angucken, um mich in Panik zu versetzen. Oder mir Statistiken für das Klima der nächsten Jahre angucken. Die Welt sollte langsam realisieren, dass wir jetzt anfangen müssen etwas zu ändern, denn morgen könnte es schon zu spät sein.

Es ist egal, wo wir helfen. Ob beim Tierschutz, beim Klimaschutz, in der Kirche oder im Alltagsleben. Es ist die Summe der kleinen Dinge. Jeder kann etwas tun, um zu helfen und diese Welt zu retten. Wir sollten den Glauben an eine bessere Welt nicht verlieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt und so lange es noch Hoffnung gibt, ist es noch nicht zu spät!

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Ronja Birk (15 Jahre) hat im Januar 2010 ein dreiwöchiges Schüler-Praktikum bei Fundgiver absolviert. In dieser Zeit hat sie den Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterArtikel Charities & Teenager verfasst sowie mehrere 13- bis 17jährige zu ihrem sozialen Engagement und zu gemeinnützigen Organisationen befragt. Den Jugendlichen wurden die Fragen kurz vor dem Interview gezeigt, um sich vorab bereits ein paar Gedanken machen zu können.

Die Video-Interviews können Sie sich gleich hier anschauen:


Video-Interview 1: Sophie



Video-Interview 2: Lena


Video-Interview 3: Louis


Video-Interview 4: Laura


Video-Interview 5: Nina